Kupferlegierungen: Arten, Eigenschaften und moderne Anwendungen

Arten und Zusammensetzung von Kupferlegierungen

Es gibt mehr als 400 verschiedene Kupferlegierungen, die jeweils spezifische Eigenschaften für unterschiedliche Anwendungsbereiche bieten. Durch das Legieren von Kupfer mit Metallen wie Zink, Zinn, Nickel oder Aluminium entstehen Werkstoffe mit maßgeschneiderten technischen Eigenschaften.

Kupferlegierungen: Arten, Eigenschaften und moderne Anwendungen
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Messing (Kupfer-Zink-Legierungen)

Messing ist eine Legierung aus Kupfer und bis zu 45 Prozent Zink, die zusätzlich Elemente wie Blei, Zinn, Mangan, Aluminium oder Nickel enthalten kann. Je höher der Zinkgehalt, desto besser sind die mechanischen Eigenschaften, jedoch nimmt die Kaltverformbarkeit ab. Ab einem Zinkanteil über 36 Prozent tritt die Beta-Phase auf, welche die Verformbarkeit weiter einschränkt. Bleihaltige Sorten zeichnen sich durch hervorragende Zerspanbarkeit aus.

Die Legierung ist nicht magnetisch und bietet gute tribologische Eigenschaften, wobei die Relaxationsbeständigkeit bei Wärmeeinwirkung begrenzt ist, insbesondere bei Steckverbindern.

Bronze (Kupfer-Zinn-Legierungen)

Bronze bezeichnet primär Legierungen aus Kupfer und Zinn. In der Anschlusstechnik wird häufig Phosphorbronze eingesetzt, wobei der Phosphorgehalt aus dem Gießprozess als Reduktionsmittel stammt. Für die Kaltverformung werden Sorten mit 4 bis 9 Prozent Zinn bevorzugt, da höhere Gehalte zur spröden Delta-Phase führen würden. Gewalzte Bronze kann nur in der Alpha-Phase bearbeitet werden. Bronze zeigt bessere mechanische Eigenschaften als Messing, jedoch ist die Relaxationsbeständigkeit bei Temperaturbelastung nur geringfügig höher.

Neusilber und Speziallegierungen

Neusilber ist eine ternäre Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, die gelegentlich Blei zur Verbesserung der Zerspanbarkeit enthält. Diese Legierungen bieten höhere Korrosionsbeständigkeit als Messing und verhalten sich bei einphasigen Sorten genauso gut bei der Kaltverformung. Mechanisch sind sie robuster als klassische Messinglegierungen.

Kupfer-Beryllium-Legierungen bieten die beste Kombination aus Festigkeit, Leitfähigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Spannungsrelaxation bei hohen Temperaturen. Beryllium ist das einzige Legierungselement, das die mechanischen Eigenschaften von Kupfer verbessert, ohne dessen Leitfähigkeit zu beeinträchtigen. Für Anwendungen ohne Beryllium wird die Legierung CuNi2SiCr eingesetzt, die ebenfalls gute mechanische Eigenschaften bei hohen Temperaturen kombiniert.

Weitere wichtige Legierungen sind Rotguss (Kupfer, Zinn, Zink, Blei) für Armaturen sowie Aluminiumbronze mit hoher Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit für maritimeneinsätze und hochbelastete Lagerteile.

Werkstoffeigenschaften und Verarbeitung

Elektrische und thermische Leitfähigkeit

Kupfer besitzt unter allen Konstruktionsmetallen die höchste elektrische Leitfähigkeit. Durch Beimischung von Silber und anderen Elementen kann die Festigkeit erhöht und der Widerstand verringert werden. Die thermische Leitfähigkeit verhält sich proportional zur elektrischen Leitfähigkeit, wobei mit zunehmendem Legierungsgrad ein Leitfähigkeitsverlust eintritt, die Korrosionsbeständigkeit jedoch zunimmt.

Mechanische Eigenschaften

Kupferlegierungen können durch verschiedene Verfahren gehärtet werden: Kaltverfestigung, Mischkristallverfestigung, Ausscheidungshärten und Dispersionsverfestigen. Bei hoch kupferhaltigen Legierungen wird oft eine Kombination dieser Verfahren genutzt. Die Duktilität kann durch Glühen erreicht werden.

Für die Verarbeitung ist relevant, dass gewalzte Bronze nur in der Alpha-Phase bearbeitet werden kann, um die Bildung der harten Delta-Phase zu vermeiden. Einphasige Nickel-Kupfer-Zinklegierungen verhalten sich bei der Kaltverformung genauso gut wie Messing.

Korrosionsbeständigkeit und Oberflächen

Die Korrosionsbeständigkeit basiert auf der Ausbildung eines adhäsiven Films auf der Oberfläche. Alle Kupferlegierungen sind beständig gegen Süßwasser und Dampf sowie in den meisten ländlichen, industriellen und marinen Umgebungen witterungsfest. Kupfer-Nickel-Legierungen sind besonders korrosionsbeständig und für den maritimen Bereich geeignet. Die Farbe variiert von lachsrosa für neues Kupfer über Gelb und Gold bis zu dunkler Bronze bei Bewitterung.

Anwendungsbereiche und Industrie

Elektronik und Kommunikationstechnik

Kupferlegierungen sind unverzichtbar in der Elektronik. Kupfer-Beryllium-Legierungen werden in Schaltern und Steckverbindern eingesetzt, da sie Miniaturisierung ermöglichen ohne Leistungseinbußen. Gewichtseinsparungen von bis zu 75 Prozent sind gegenüber anderen Kupferlegierungen möglich. Sie werden in der Infrastruktur für 5G- und 6G-Technologien sowie in Rechenzentren und Halbleiterprüfgeräten verwendet.

Niedriglegierte Kupferwerkstoffe werden gezielt für die Elektronik entwickelt. Messing und Bronze finden Anwendung in der Anschlusstechnik, wobei Bleihaltiges Messing sich durch hervorragende mechanische Bearbeitbarkeit auszeichnet.

Additive Fertigung und 3D-Druck

Der 3D-Druck mit Kupfer ermöglicht die Herstellung komplexer Geometrien für Elektronik, Wärmemanagement und Maschinenbau. Durch spezielle Lasersinter-Verfahren ist nun auch der Druck von Reinkupfer mit einer Dichte über 99,5 Prozent möglich. Die Legierung CuNi2SiCr wird für hochbelastete elektromechanische Bauteile bei Temperaturen eingesetzt, wo weder Reinkupfer noch berylliumhaltige Legierungen in Frage kommen.

Anwendungen umfassen Induktoren mit Innenkanälen zur verbesserten Wärmeableitung, Wärmetauscher für LEDs und Computerchips sowie leichte Motorkomponenten.

Automobil, Maschinenbau und Medizin

Im Maschinenbau werden Kupferlegierungen für Präzisionsteile, Kessel und Destillationsanlagen genutzt. In der Automobilindustrie finden sie Verwendung in Kühlern und Bremsleitungen. Die hohe Wärmeleitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit machen sie ideal für aggressive Umgebungen.

In der Medizintechnik werden Kupferlegierungen aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften für medizinische Geräte und Oberflächen in sterilen Umgebungen eingesetzt.

Architektur und Bauwesen

Kupfer wird für Dächer, Fassaden und Rohrleitungen eingesetzt. Die natürliche Patina schützt vor Korrosion und bietet ästhetische Vielfalt. Kupferdächer tragen zur Energieeffizienz bei und sind Bestandteil nachhaltiger Baukonzepte.